Trinkgeld beim Lieferdienst: Wie viel du geben solltest
Die App fragt nach dem Trinkgeld, bevor du überhaupt richtig nachgedacht hast. Drei Buttons, ein Freitextfeld, zehn Sekunden Zeit – und dann kommt das Essen. Trinkgeld beim Lieferdienst ist genau dieser Moment: keine Zeit für Recherche, aber das Gefühl, dass es wichtig ist, es richtig zu machen.
Zu wenig wirkt geizig. Zu viel fühlt sich unnötig an, vor allem wenn du eh schon Liefergebühr bezahlt hast. Beides ist Bauchgefühl, kein Richtwert. Dieser Artikel gibt dir eine klare Zahl statt eines schlechten Gewissens – und zeigt, was mit dem Trinkgeld eigentlich passiert, nachdem du auf “Bezahlen” getippt hast.
Das Wichtigste in Kürze
- Übliche Faustregel: 5-15 % vom Bestellwert, bei kleineren Bestellungen eher 1-3 € fix.
- Eine gesetzliche Trinkgeldpflicht gibt es in Deutschland nichtsrc1 – aber eine klare soziale Erwartung.
- Essen und Pizza liegen tendenziell am oberen Ende, Lebensmittel und Apotheke eher moderat.
- Schlechtes Wetter, späte Uhrzeit oder der vierte Stock ohne Aufzug sind gute Gründe für einen Aufschlag.
- Fährt jemand für dich durch den Regen und bekommt kein Trinkgeld, bleibt oft nur der reguläre Lohn – Trinkgeld macht für viele Fahrer:innen den Unterschied.
- In-App-Trinkgeld kommt nicht bei jedem Anbieter sofort und vollständig beim Fahrer an.
- Bargeldloses Trinkgeld per QR-Code direkt an den Fahrer ist eine Alternative ohne Umweg über die Plattform.
Muss man beim Lieferdienst überhaupt Trinkgeld geben?
Kurz: nein. In Deutschland gibt es keine gesetzliche Pflicht, Trinkgeld zu zahlen – weder im Restaurant noch beim Lieferdienst. Wer nichts gibt, muss dafür keine Rechenschaft ablegensrc1. Das gilt für die Kellnerin genauso wie für den Fahrer, der dir gerade die Tüte an der Tür übergeben hat.
Trotzdem ist da diese Erwartungshaltung. Nicht rechtlich verankert, aber sozial ziemlich fest. Wenn jemand bei Nieselregen mit dem Fahrrad durch die Stadt fährt, um dir warmes Essen zu bringen, empfinden die meisten Menschen ein kleines Extra als angemessen – nicht als Belohnung dafür, dass der Job überhaupt gemacht wurde, sondern für den Umstand drumherum. Wetter, Weg, Freundlichkeit an der Tür.
Kein Trinkgeld zu geben ist also erlaubt. Es sollte aber die Ausnahme bleiben, nicht die Regel. Wenn die Lieferung schlecht lief – kalt, spät, unfreundlich – ist das ein legitimer Grund, es wegzulassen. Als Standardverhalten bei jeder Bestellung ist “nichts geben” dagegen eher die unhöfliche Variante als die neutrale.
Wie viel Trinkgeld ist angemessen – Euro und Prozent
Für Deutschland allgemein rät der Knigge zu 5-10 % des Rechnungsbetragssrc2. Für Lieferdienste hat sich in der Praxis eine etwas breitere Spanne eingependelt: 5-15 % gelten als übliche Faustregel, auch wenn das keine feste Norm ist, sondern gewachsene Branchenpraxis. Bei kleineren Bestellungen rechnet kaum jemand in Prozent – da sind 1-3 € fix der einfachere und gängigere Weg.
Drei Situationen, drei Logiken:
Unter 15 € Bestellwert lohnt sich Prozentrechnen kaum. 10 % von 12 € sind gerade mal 1,20 € – das wirkt knauserig, selbst wenn es rechnerisch “korrekt” ist. Hier ist ein fixer Betrag von 1-2 € die bessere Wahl.
Im mittleren Bereich, sagen wir 15-40 €, funktioniert die Prozentrechnung gut. 5-10 % vom Bestellwert, meist auf volle Euro aufgerundet, treffen den Ton, den die meisten Fahrer:innen als fair empfinden.
Bei großen Bestellungen ab 40-50 € kippt die Logik wieder. 15 % von 80 € wären 12 € – das ist für eine einzelne Lieferung ungewöhnlich viel. Hier darf der Prozentsatz sinken, etwa auf 5-8 %, ohne dass das geizig wirkt. Der absolute Betrag bleibt trotzdem höher als bei kleinen Bestellungen.
Wer es genauer wissen will, statt mit Faustregeln zu rechnen: Ein detaillierter Rechner mit exakten Werten pro Bestellwert findet sich im Trinkgeld-Rechner für Lieferdienste.
Vergleichstabelle: Prozent-Richtwert nach Lieferart
| Lieferart | Üblicher Richtwert | Kurz erklärt |
|---|---|---|
| Essen / Pizza | 10-15 % | Warme Zubereitung, engeres Zeitfenster, meist Fahrrad oder Roller |
| Lebensmittel (Rewe, Picnic, Flaschenpost etc.) | 5-10 % | Oft mehr oder schwerere Pakete, dafür planbarere Zustellzeit |
| Apotheke | 5-10 %, situationsabhängig | Bei dringenden Bestellungen oder später Uhrzeit eher oberes Ende |
Das ist die Kurzversion. Detailliertere Werte je nach Anbieter und Bestellart stehen in den Spoke-Artikeln Trinkgeld für Pizza- und Lebensmittellieferdienste und Trinkgeld für Rewe, Picnic und Apotheken-Lieferdienste.
Was dein Trinkgeld für den Fahrer wirklich bedeutet
Das hier ist der Teil, den die meisten Ratgeber auslassen. Lieferando etwa bezahlt seine Fahrer:innen in Deutschland nach den Tarifen der Systemgastronomie – im Schnitt über 14 € pro Stunde. Wichtig dabei: Diese Durchschnittsangabe schließt das Trinkgeld der Kund:innen bereits mit einsrc4. Der reine Grundlohn liegt darunter, orientiert am gesetzlichen Mindestlohn.
Was heißt das für dich? Wenn du nichts gibst, bekommt der Fahrer trotzdem seinen vertraglichen Lohn – aber eben ohne das Plus, das viele Betriebe in ihre eigenen Durchschnittszahlen bereits einrechnen. Für die einzelne Fahrerin macht Trinkgeld oft den Unterschied zwischen “der Job trägt sich” und “es reicht gerade so”. Kein Beleg für einen exakten Prozentanteil, aber eine ziemlich klare Richtung.
Auf Reddit tauchen immer wieder Erfahrungsberichte von Fahrer:innen auf, die von Schichten ganz ohne Trinkgeld erzählen – neben anderen, die von einem einzelnen guten Tag berichten, der die ganze Woche rettet. Das sind Einzelmeinungen, keine Statistik. Aber sie zeigen, wie stark Trinkgeld im Alltag schwankt und wie wenig planbar es für die Fahrer:innen selbst ist.
Kommt In-App-Trinkgeld überhaupt vollständig beim Fahrer an?
Kurze Antwort: nicht immer sofort, und nicht bei jedem Anbieter auf dieselbe Art. In-App-Trinkgeld läuft technisch über eine Sammelabrechnung – es wird nicht wie eine Barzahlung direkt der einen Lieferung zugeordnet, sondern gesammelt und später verrechnet. Bei manchen Anbietern dauert das mehrere Tage, bei anderen ist es Teil des regulären Lohnabrechnungszyklus.
Eine konkrete Zahl, wie viel davon unterwegs “verloren geht” oder einbehalten wird, lässt sich seriös nicht belegen – die Angaben der großen Plattformen dazu sind unübersichtlich und ändern sich. Wenn du es genau wissen willst, lohnt ein Blick in die Hilfeseiten deines jeweiligen Anbieters, bevor du dich auf eine feste Zahl verlässt. Was bleibt: Für die Fahrer:innen ist das System selten transparent. Trinkgeld verschwindet in derselben Abrechnung wie Lohn, Bonus und Spesen.
Bargeldloses Trinkgeld per QR-Code direkt an den Fahrer
Es gibt eine Alternative zum App-Umweg: ein QR-Code, den der Fahrer am Fahrzeug oder auf der Lieferung anbringt. Du scannst ihn kurz mit dem Handy, zahlst das Trinkgeld direkt – ohne dass die Bestell-App überhaupt eine Trinkgeld-Option anbieten muss.
Für dich als Kundin ist das schneller als jede Sammelabrechnung. Für den Fahrer landet das Geld direkt und eindeutig zugeordnet bei ihm, statt in einem Sammeltopf zu verschwinden. Kein Versprechen auf mehr Trinkgeld insgesamt – nur ein direkterer Weg, wenn du dich sowieso schon entschieden hast, etwas zu geben.
So viel Trinkgeld gibst du konkret
Für den schnellen Blick beim Checkout:
- Kleine Bestellung (bis 15 €): 1-2 € fix, unabhängig vom Prozentsatz.
- Durchschnittsbestellung (15-40 €): 5-10 % bzw. grob 2-4 €.
- Große Bestellung (ab 40-50 €): 5-8 %, nach unten korrigiert, damit der Betrag nicht unverhältnismäßig wird.
- Zuschlag bei erschwerten Bedingungen: schlechtes Wetter, späte Uhrzeit, viele Treppen ohne Aufzug – jeweils +1-2 € auf den Grundwert.
Bei Unsicherheit hilft der Trinkgeld-Rechner für Lieferdienste mit exakten Werten für deinen konkreten Bestellwert weiter, statt im Kopf zu runden.
Für Fahrer:innen: Trinkgeld direkt bekommen
Wenn du selbst Lieferungen fährst und wissen willst, wie Trinkgeld steuerlich behandelt wird – etwa ob du es versteuern musst –, findest du das im Artikel Trinkgeld versteuern: Was für Lieferfahrer:innen gilt. Ein Vergleich zwischen Trinkgeld in der Gastronomie und beim Lieferdienst steht im Artikel Trinkgeld in der Gastronomie vs. Lieferdienst.
Wer als Fahrer:in bargeldloses Trinkgeld direkt annehmen möchte, ohne dass die Kundschaft irgendeine App installieren muss, kann das über einen QR-Code am Fahrzeug einrichten – etwa mit Tippidy. Kein Versprechen auf mehr Trinkgeld insgesamt, keine Garantie. Nur ein direkterer Weg, damit das, was jemand geben will, tatsächlich bei dir ankommt statt in einer Sammelabrechnung unterzugehen. Einen Überblick über verschiedene Anbieter für digitales Trinkgeld gibt der Vergleich von Trinkgeld-Apps.
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Trinkgeld – Wikipedia, Abschnitt “Deutschland”: “Es kann weniger oder gar kein Trinkgeld gezahlt werden, ohne dass hierüber Rechenschaft abgelegt werden muss.” https://de.wikipedia.org/wiki/Trinkgeld
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Trinkgeld – Wikipedia, Abschnitt “Deutschland”: “Der ‘Knigge’ rät in Deutschland zu einem Trinkgeld zwischen 5 % und 10 % des Rechnungsbetrags.” https://de.wikipedia.org/wiki/Trinkgeld
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Lieferando – Wikipedia, Abschnitt zu Beschäftigungsbedingungen der Fahrer:innen: “Lieferando-Mitarbeiter in Deutschland werden (…) nach den Tarifen für die Systemgastronomie bezahlt und erhalten durchschnittlich mehr als 14 Euro in der Stunde; dabei bezieht das dispositive Trinkgeld der Kunden in den durchschnittlichen Stundenlohn mit ein.” https://de.wikipedia.org/wiki/Lieferando
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